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PRESSE

ROCKBAND | HAMLET | KNOTEN | ARTAUD | BEST SONG OF MY LIFE | FLASH BACK TO BECKETT



Neue Presse, Kultur 30.Dezember.2016

Gefangen im Sog einer Beckett-Collage


sei (Neue Presse 10.11.2014)

HANNOVER. Kurz vor Ende wenden sich alle dem Licht zu, doch das springt plötzlich in die entgegengesetzte Richtung um. Und so wenden sich die Darsteller wieder herum. Rätselhaft? Verwirrend? Durchaus – und beabsichtigt: Das hannoversche „hArt times theater“ präsentierte im Pavillion eine Theaterperformanceder hintergründigen, abstrakt-absurden Art, mit Minimal-Music, eingeblendeten Texten und Videobildern.
„Flash Back to Beckett“ heißt das 60-minütige Stück, das sich mit der Philosophie des irischen Literaturnobelpreisträgers Samuel Beckett („Warten aud Godot“), dem Meister der sprachlichen Reduktion, ideenreich auseinandersetzt. Und dabei aus dessen Werken „Atem“, „Akt ohne Worte“, „Flötentöne“, „Gesellschaft“, „Kommen und Gehen“, „Quadrat“, „Was Wo“ und „Weder“ schöpft, die mit eigenen Texten verbunden werden. Regisseur Frank Matzke, der auch Teil des neun köpfigen Ensembles ist, setzt auf choreographisch-biografische Ausdrucksformen und collagenhaft-schauspielerische Szenen, die Becketts existentialistische Themen behandeln: Das In-die-Welt-hineingeworfen-sein, die Suche nach der Wahrheit und nach der Sinnhaftigkeit des Lebens.

Da schreiten die Akteure geschäftig-forschen Schrittes durch den Raum und weichen sich dabei gekonnt aus. Doch sie wirken wie im Hamsterrad. Es folgen ruhige und stille Begegnungen. Eine Frau ist wie erstarrt, eine weitere versucht krampfhaft ihr Balance zu halten. In einer Videoszene spricht eine alte Frau wenige, aber berührende Worte. Und eine junge Frau kümmert sich wortlos und fast im Zeitlupentempo um einen jungen Mann.
All das wirkt oft rätselhaft, surreal – und erzeugt einen Sog. Beckett als faszinierende Theaterperformance-Collage, sehr gut gespielt von einem Ensemble ohne Schauspielausbildung – das „hArt times theater“ ist ein Projekt der Kontaktstelle Gruppe Soziale Selbsthilfe (GSS). Am Ende gab es kräftigen Applaus – verdientermaßen.
4 von 5 Sternen

Die ganz alltäglichen Grenzerfahrungen



Das“hArt times theater“ zeigt im Alten Magazin eine eindrucksvolle Aufführung. In den Hauptrollen: Ehemalige Psychiatriepatienten.

Von Mario Moers (HAZ/NHP 5.12.2013)

Eine Bühne ist ein Freiraum. Der Bühnenrand markiert eine Grenze zur realen Welt. Der große Quader auf der Bühne des Stückes „FlashBack to Beckett“ symbolisiert so eine Grenze. Im Inneren
des minimalistischen Bühnenbildes herrscht Enge. Im Rhythmus elektronischer Musik laufen die Schauspieler im Viereck umher. Obwohl sie auf engem Raum gehen, berühren sie sich nicht. Niemand redet, alle gehen die gleichen Wege. „Normalerweise ist das Leben eine runde Sache, doch jetzt gehe ich im Quadrat“, ist auf eine Wand des Quaders projiziert. Kurz später steht dort: „Funktionieren im Chaos – weitermachen“.
Fast zehn Minuten dauert diese Szene. Die Produktion des „hArt Times Theater“ erzählt keine Geschichte. Die szenischen Bilder, die in der vergangenen Woche auf der Bühne im Alten Magazin erstmals aufgeführt wurden, muss der Zuschauer erfühlen. Zwar gibt es auch Dialoge und Textprojektionen, aber die Worte sind eigentlich zweitrangig. „An einem Tag hatten
wir einen Zuschauer aus Russland“, erzählt Regisseur Frank Matzke, „der hat die Sprache nicht verstanden, aber er hat für sich erkannt, dass es um die Auseinandersetzung mit Freiheit in einer reglementierten Umgebung geht.“ Bevor die Vorstellung beginnt, führt der Theaterpädagoge
das Publikum in den Hintergrund der anspruchsvollen Produktion ein.
Seit 13 Jahren gibt es das Theaterprojekt „hArt Times Theater“. Das Theater ist ein Angebot der Gruppe Soziale Selbsthilfe… Alle neun Schauspieler sind Laien mit Psychatrieerfahrung. In ihren Produktionensetzen sie sich immer auch mit psychischen und gesellschaftlichen Grenzerfahrungen auseinander. Im letzten Jahr war die Gruppe Teilnehmer der dOCUMENTA in Kassel. Eine spanische Künstlerin hatte sie eingeladen.
Die Produktion „FlashBack to Beckett“ basiert auf Texten und Entwürfen aus dem Spätwerk des irischen Autors Samuel Beckett. Auf Beckett sei man gekommen, da dessen Arbeiten viele Spannungsmomente enthalten, die auch mit dem Leben der Schauspieler zu tun haben. Der Einzelne
und die Gesellschaft, Bewegung und Regungslosigkeit... Trotz der poetisch, fast an Ballett erinnernden Choreographien ist die Stimmung düster. Manche Szenen erinnern an Traumzustände
oder Trance. Manchmal ist „FlashBack to Beckett“ auch schwer auszuhalten – für die Zuschauer und die Schauspieler gleichermaßen…
In der aktuellen Inszenierung verschwimmt die Grenze zwischen den Figuren und ihren Darstellern. Ebenso wenig wie es eine eindeutige Geschichte gibt, gibt es in dem Stück auch keine Rollen im eigentlichen Sinne. Die Kleidung der Darsteller könnte auch ihre Alltagskleidung sein. Im Unterschied zu professionellen Schauspielern legen die Laien auf der Bühne nicht ihre Individualität ab. Genau diese Individualität, mit all ihren Ecken und Kanten, wird in der Inszenierung zur besonderen
Qualität. Das abstrakte Spiel wirkt authentischer als vieles, was man in den professionellen
Theatern zu sehen bekommt. Am Ende der Vorstellung löst sich die Bühne auf. Die Wände des Quaders ziehen sich zusammen, es wird dunkel und niemand klatscht… „Das muss man
erst mal nachwirken lassen“, fand Besucher Michael Wagner. „Ich habe vorher keine Ahnung gehabt, worum es geht, und ich habe immer noch keine. Das finde ich gut“, sagt er…

HAZ/NHP 5.12.2013



Die Kunst des Gehens und Bestehens


Die Deutschen und ihre gesellschaftlichen Ränder: Das „hART Times Theater“ spielt auf der documenta

von Uwe Janssen

Viele hannoversche Künstler sind es nicht in diesem Jahr auf der documenta in Kassel. Doch die Gruppe, die Frank Matzke leitet, hat es geschafft – und das nicht mit bildender, sondern mit spielender Kunst. Vom Dienstag an wird das „hART Times Theater“ im Nordhessischen zu Gast sein, bei einem Projekt der Spanierin Dora Garcia.
Die Künstlerin untersucht die Beziehungen zwischen Gesellschaft und ihren Randbereichen. Es geht dabei auch um Psychiatrie, Sozialtherapie und Wiedereingliederung. In diesen Bereichen hat das „hART Times Theater“ mehr Erfahrung als andere Ensembles – die Gruppe setzte sich aus Menschen mit diesem Hintergrund zusammen. Das Theater ist ein Kunstprojekt der Gruppe Soziale selbsthilfe, einem Verein, den es seit drei Jahrzehnten in der Südstadt gibt. Die Gruppe gibt es seit Anfang des Jahrhunderts, unter dem gleichen Namen firmiert auch eine Rockband mit stattlichen Coverrepertoire, die bei manchen Theaterstücken schon dabei war.
Derzeit üben sechs Frauen und zwei Männer für den Auftritt in Kassel, eine Mischung aus Talkshow und Performance. Matzke wird Auskunft geben über die Arbeit der Gruppe, die Schauspieler werden zwischendurch Ausschnitte aus ihrer Arbeit zeigen. Der Offene Kanal wird live übertragen.
Der Umgang mit Öffentlichkeit ist für manche der Akteure ein Konzentrationsprozess, sagt der Regisseur. „Wenn Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihren Alltag  zu organisieren, gelingt, eine Stunde auf der Bühne künstlerisch zu arbeiten, ist das ein Akt von Normalität. Man zeigt damit die Fähigkeit, harte Spannungen auszuhalten und sich auf Gruppenprozesse einzulassen.“ Das sei besonders schwierig, denn die Mitglieder seien im Grunde alles Einzelgänger. Und das Ergebnis sei eine Leistung der sozialen Kunstform Theater.
Den Begriff Selbsthilfe, den der Verein im Namen trägt, ersetzt der Theaterpädagoge Matzke durch Selbstbildung. „Der Akteur muss seine Rolle selbst realisieren. Wie er dahin kommt, ist sein eigener Weg. Das ist ein Bildungsvorgang, der auf Eigeninitiative beruht. Da kann ein Regisseur am Ende wenig machen.“
In Kassel wird die Gruppe auch ein ganz neues Projekt vorstellen. Eine Choreografie zum Thema !Gehen“, basierend aus Samuel Becketts „Flötentönen“, Versen, die sich viel mit dem Gehen befassen. „Gehen ist auch freiwilliges oder unfreiwilliges Hobby unserer Schauspieler“, sagt Matzke. Autobiografisch sei das Spiel im „hART Times Theater“ immer. „Es sind ja keine Berufsschauspieler. Sie haben etwas sehr Eigenes und darin auch etwas sehr Selbstbewusstes.“
Infos unter Telefon: 0511 - 813993

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Leben in der Rolle
hArt times theater spielt „Best Song of my Life“



(Hannoversche Allgemeine Zeitung / 19.1.2010)

Eigentlich ist Theater nicht ganz der richtige Begriff für den Auftritt dieser acht Menschen. Natürlich, sie präsentieren sich vor Publikum. Text, Musik, Bewegung, Licht, selbst Video fehlen nicht. Nur tut das hArt times theater nicht nur so „als ob“. In den Stücken der hannoverschen Laiengruppe tauchen die Akteure nicht in erfundene Welten und Lebensläufe ein, sondern verarbeiten zum großen Teil ihr eigenes Leben. Rollen im engeren Sinn gibt es nicht…
…Seit zehn Jahren suchen die Akteure immer wieder neue künstlerische Ausdrucksformen ihrer Biografien. Zuletzt brachten sie sie mit dem Wahnsinn Hamlets in Verbindung. Jetzt – in „Best Song of my Life“ unter der Regie von Frank Matzke und Ruth Rutkowski im theaterfensterzurstadt aufgeführt – ist die Musik der Mittler, um die Themen Depression und Psychose auf die Bühne zu bringen. Da hat etwa eine Orchestermusikerin plötzlich das Gefühl für die Töne, die bisher ihr Leben waren, völlig verloren: „Ich hörte Brahms, empfand aber Mozart“.
Die von den Akteuren selbst stammenden Texte sind komisch, anrührend und manchmal auch hermetisch. Die Akteure suchen ihre Rolle im Leben und finden ihr Leben in der Rolle. „Wenn man erst mal erkennt, welches Stück man spielt, hat man keine Depressionen mehr“, sagt einer der Akteure. Über allem steht der Konflikt zwischen schamhaftem Verschweigen und dem demonstrativen Schritt in die Öffentlichkeit …


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Der TUWAS - Preis 2007
1.Preis für h-art-times


"Hauptpreisträger wurde die Rockband hART Times.  ... Die hART Times-Band besteht aus achtzehn Musikerinnen und Musikern, die seit 2003 mit öffentlichen Auftritten einen bedeutsamen Beitrag zur Entstigmatisierung von Menschen mit einer seelischen Erkrankung leisten. Darüber hinaus ist es das Ziel von hART Times, in Kooperation mit dem Theater hART Times eine künstlerisch orientierte Zuverdienstfirma zu gründen. Die erste CD erschien „frisch gebrannt“ am 27. Oktober 2007 kurz vor der Jahrestagung und konnte dort von mehreren Vertretern des Bandprojekts einem begeisterten Publikum vorgestellt werden. Wer will, kann diese Band „buchen“."


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"Hamlet goes hArt times" (Premiere 28.2.2008)



Blutschande und Blutsbande


"...Im dänischen Bettenlager, das die Kulisse für die "Hamlet"-Inszenierung der Theatergruppe "hArt times" bietet, ist einiges los...
Es ist ein fragmentierter, teils ironischer, in sich und der Handlung gebrochener "Hamlet" den "hArt times" hier zeigt. Versatzstücke aus dem Originaltext werden mit "Nirvana"-Songs der gruppeneigenen Band und Videoprojektionen gekreuzt. Und - das macht die Stärke der Inszenierung aus - mit biografischen Elementen, basierend auf den Erfahrungen der Akteure...
"hArt times" erweitert damit den postdramatischen Ansatz ins Radikale: Dramaturgie und Figurenzeichnung gehen über die klassischen Brüche ins Absurde und Selbstreflexive hinaus, indem sie eine Authentizität bieten, die den Zuschauer bewusst mit dem Spannungsfeld des absolut Selbsterlebten und des Fiktiven konfrontiert...
Am stärksten und verletzlichsten zugleich zeigt sich die Motivik der Inszenierung in den Momenten, in denen die Grenzen zwischen Shakespearschem Drama und biografischer Aufbereitung gänzlich verschwimmen: Wenn Hamlets Horatio von einem Selbstmord berichtet oder Ophelia sich lauthals gegen die Annäherungen des eigenen Vaters wehrt.
Nie entsteht dabei der Eindruck von Betroffenheitstheater. Das ist, neben der neben der ironisch-poppigen Aufmachung, die eigentliche Stärke der Inszenierung: Sie zeigt, was Theater alles sein kann und macht damit völlig neue Bedeutungsräume auf. Denn, so Ophelia: "Wahnsinn ist, wenn der Sinn verloren geht, während ein neuer entsteht."
(Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 15. Mai 2008)


NDR-Fernsehen am 28.02.2008

"Ihr Weg zum normalen Leben ist Theater...Ihre Inszenierung im Alten Magazin ist einzigartig...
Nicht leicht ist der Stoff, denn es geht um schwierige Beziehungen, eifersüchtige Liebhaberinnen und streitwillige Familienmitglieder...Verwerfung jeglicher Art. Das bekannte "Hamlet"- Zitat "Sein oder Nicht Sein" ist jedoch für diese Gruppe inzwischen nicht mehr die Frage - Dank der neu gewonnenen Lebensernergie."


Hamlet Premiere

"An Professionalität hat es nicht gefehlt... Eine Wonne ist Gisela Ruscheweyh als Geist von Hamlets Vater... Hamlet hat Sehstörungen und erzählt von einem Hund mit Darmverschlingungen... Wem Shakespeares Hamlet zu düster ist, der hat hier seinen Spaß. Um den Wahnsinn Hamlets zu unterstreichen, spielt die hArt times-Band Songs von Nirvana. Cool." Neue Presse, 1.3.2008


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"Knoten" nach Ronald D. Laing (Premiere 16.10.2005)



hauskritik #2


(von Nicola Bongard, Stadtkind märz 2006)

knoten von ronald d. laing

"... eigenartig emotionsloses Rezitationsstück mit einem kühlen Stilisierungsgrad, aber auch mit einigen spannenden Sollbruchstellen...

Die Akteure absolvieren eine Unmenge Text und beeindrucken auf etwas zwiespältige Weise durch ein fabelhaftes Gedächtnis, nicht nur für den Text, sondern auch für die vielen kleinen Verabredungen, welche die Inszenierung ihnen auferlegt.

Wie sich fortwährend die Person vor die Figur schiebt und gerade dadurch die Rolle bereichert, ist derReiz des semiprofessionellen Schauspiels.

Ornowski und Matzke haben weniger Sinn für Anarchie und emotionales Drama, dafür Sinn für Ästhetik und Machbarkeit bewiesen. Außerdem muss man sie einfach loben für den Mut, jenseits einer allzu pädagogischen Herangehensweise auch mit Laien eine puristische  und klar umrissene Inszenierung zu wagen, die weit über die Aneinanderreihung von Szenen und "sketchen" hinaus geht.

..., so bleibt doch am Ende der Eindruck, etwas Besonderes erlebt zu haben."


Alltäglicher Stellungskrieg


Verrücktes Spiel: Das Psychiatrie-Theater hArt Times im Alten Magazin in Hannover
von Ernst Corinth

Das muss man dem Theater hArt Times lassen: In seinem Stück „Knoten“ geht es zwar um existenzielle Dinge, ja um Abgründe unseres menschliches Seins – aber dennoch haben alle Akteure und auch die Zuschauer im ausverkauften hannoverschen Alten Magazin Spaß an diesem im positiven Sinne verrückten Spiel. ... Darin dreht sich alles um Erlebnisse, die nicht nur den Akteuren wohl bekannt sind und sie bei manchen psychische Erkrankungen hervorrufen.
Frei nach dem Werk „Knoten“ des britischen Psychiaters  und Mitbegründers der antipsychiatrischen Bewegung Ronald D. Laing werden die – wie es bei ihm heißt – „lautlosen Dialoge“, die unsere Beziehungen zu anderen prägen, hier zum Sprechen gebracht. ...

Da macht ein Sohn seinem Vater schwerste Vorwürfe, ein anderer fühlt sich gar von seiner Mutter verschlungen, ein Ehemann haut seiner Frau den Satz um die Ohren: „Du bist genau wie meine Mutter“ Und auch nicht schön, doch schön verletzend ist die Feststellung: „Ich bin gut, du liebst mich nicht, daher bist du schlecht, also lieb ich dich nicht. Ja, du bist ein Schmerz in meinem Kopf.“
Das tut weh – ist aber Ausdruck von Angst, Verachtung, Hass, Langeweile und auch Eifersucht, die viele Beziehungen zerstören. Genau dieser Ausdruck, diese Haltung bekommt im Spiel der Gruppe ein Gesicht, mal ein verspielt rhythmisches, dann ein musikalisches, tragisches und manchmal sogar ein witziges. Die Bilder, die dabei entstehen, sind irritirend, erzählen aber stets viel vom Lebensgefühl dieser Gruppe. Am Schluss zu Recht viel Beifall.
HAZ (17.10.05), Nr.242, S.7


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"Artaud - es ist hArt und schwer mich zu lieben" (Premiere Februar 2003)




Das sich Drehen um die eigene Achse

VON CHRISTOPH B. STRÖHLE

REUTLINGEN. Die Welt steht Kopf im Universum des Antonin Artaud (1896-1948), in dem das so genannte Verrückte keine Abweichung von der Regel ist, sondern unvermeidliche Folge der Zivilisation. Das Theater hART Times aus Hannover hat das Dilemma auf die Bühne gebracht. Am Freitag gastierte es im Rahmen des Festivals Kultur vom Rande mit »Es ist hart und schwer mich zu lieben« im Foyer U3.
Mit den Mitteln der Montage szenischer, musikalischer und sprachlicher Elemente sowie mit Formen des Puppen- und Maskenspiels nähern sich die Darsteller dem, was Artaud für den Zweck von Theater hält: Es soll das Verborgene und Unergründliche im Menschen zutage fördern. Die Sprache, so befand der Schauspieler, Dichter und Regisseur, der neun Jahre seines Lebens in psychiatrischen Kliniken verbrachte, sei dazu nur bedingt im Stande, weshalb sich Artaud für eine Spielweise aussprach, die die körperliche Präsenz gegenüber dem gesprochenen Wort betont. ...

Köpfe auf langen Stangen




Es sind vor allem kraftvolle Bilder, die sich ins Gedächtnis graben. Bilder, die kunstvoll arrangiert und authentisch wirken: Da ist zum einen die Frau, die sich wieder und wieder um die eigene Achse dreht, dabei eine Hand in die Höhe streckt und sagt: »Sie ist fort. Seit zehn Jahren ist die Sprache fort.« Da ist der Mann, der, unentwegt andere anrempelnd, »Platz, Platz, Platz« ruft. Da sind die Pappköpfe, die, aufgespießt auf lange Stangen, den Kontakt zu ihren Körpern, die weiter umherwandeln, verloren haben. Da ist Artaud, der von seinem Nervenarzt Laudanum verlangt, statt dessen aber Elektroschocks erhält.

»Es gibt kein Firmament mehr« heißt es in Artauds Fragment gebliebenem Libretto zu einer Straßenoper von Edgar Varèse, die nie zustande kam. Eine kosmische Katastrophe - das Herabstürzen ... hART Times lässt das Ganze, herrlich schräg, in einem fröhlichen Rap enden und inszeniert den Weltuntergang - die Parallele zu Charlie Chaplins »Der große Diktator« ist unverkennbar - als platzenden Luftballon.

Bilderreichtum und Spielfreude dieser rundum gelungenen Inszenierung (Regie: Frank Matzke und Nina Ornowski) machen immer wieder vergessen, dass es sich bei den Darstellern um Laien handelt. ...

Applaus gab es am Ende reichlich - von Herzen und ohne Sozial-Bonus. Den hat das ungewöhnliche Theaterprojekt auch gar nicht nötig. (GEA)
NEWS!




Wir sind umgezogen!
mehr Infos
ab dem 01.03. findet ihr uns in der:
Anna-Zammert-Str. 31
30171 Hannover







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