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BEST SONG OF MY LIFE
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Leben in der Rolle
hArt times theater spielt „Best Song of my Life“
(Hannoversche Allgemeine Zeitung / 19.1.2010)
Eigentlich ist Theater nicht ganz der richtige Begriff für den Auftritt dieser acht Menschen. Natürlich, sie präsentieren sich vor Publikum. Text, Musik, Bewegung, Licht, selbst Video fehlen nicht. Nur tut das hArt times theater nicht nur so „als ob“. In den Stücken der hannoverschen Laiengruppe tauchen die Akteure nicht in erfundene Welten und Lebensläufe ein, sondern verarbeiten zum großen Teil ihr eigenes Leben. Rollen im engeren Sinn gibt es nicht…
…Seit zehn Jahren suchen die Akteure immer wieder neue künstlerische Ausdrucksformen ihrer Biografien. Zuletzt brachten sie sie mit dem Wahnsinn Hamlets in Verbindung. Jetzt – in „Best Song of my Life“ unter der Regie von Frank Matzke und Ruth Rutkowski im theaterfensterzurstadt aufgeführt – ist die Musik der Mittler, um die Themen Depression und Psychose auf die Bühne zu bringen. Da hat etwa eine Orchestermusikerin plötzlich das Gefühl für die Töne, die bisher ihr Leben waren, völlig verloren: „Ich hörte Brahms, empfand aber Mozart“.
Die von den Akteuren selbst stammenden Texte sind komisch, anrührend und manchmal auch hermetisch. Die Akteure suchen ihre Rolle im Leben und finden ihr Leben in der Rolle. „Wenn man erst mal erkennt, welches Stück man spielt, hat man keine Depressionen mehr“, sagt einer der Akteure. Über allem steht der Konflikt zwischen schamhaftem Verschweigen und dem demonstrativen Schritt in die Öffentlichkeit …
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Der TUWAS - Preis 2007
1.Preis für h-art-times
"Hauptpreisträger wurde die Rockband hART Times. ... Die hART Times-Band besteht aus achtzehn Musikerinnen und Musikern, die seit 2003 mit öffentlichen Auftritten einen bedeutsamen Beitrag zur Entstigmatisierung von Menschen mit einer seelischen Erkrankung leisten. Darüber hinaus ist es das Ziel von hART Times, in Kooperation mit dem Theater hART Times eine künstlerisch orientierte Zuverdienstfirma zu gründen. Die erste CD erschien „frisch gebrannt“ am 27. Oktober 2007 kurz vor der Jahrestagung und konnte dort von mehreren Vertretern des Bandprojekts einem begeisterten Publikum vorgestellt werden. Wer will, kann diese Band „buchen“."
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"Hamlet goes hArt times" (Premiere 28.2.2008)
Blutschande und Blutsbande
"...Im dänischen Bettenlager, das die Kulisse für die "Hamlet"-Inszenierung der Theatergruppe "hArt times" bietet, ist einiges los...
Es ist ein fragmentierter, teils ironischer, in sich und der Handlung gebrochener "Hamlet" den "hArt times" hier zeigt. Versatzstücke aus dem Originaltext werden mit "Nirvana"-Songs der gruppeneigenen Band und Videoprojektionen gekreuzt. Und - das macht die Stärke der Inszenierung aus - mit biografischen Elementen, basierend auf den Erfahrungen der Akteure...
"hArt times" erweitert damit den postdramatischen Ansatz ins Radikale: Dramaturgie und Figurenzeichnung gehen über die klassischen Brüche ins Absurde und Selbstreflexive hinaus, indem sie eine Authentizität bieten, die den Zuschauer bewusst mit dem Spannungsfeld des absolut Selbsterlebten und des Fiktiven konfrontiert...
Am stärksten und verletzlichsten zugleich zeigt sich die Motivik der Inszenierung in den Momenten, in denen die Grenzen zwischen Shakespearschem Drama und biografischer Aufbereitung gänzlich verschwimmen: Wenn Hamlets Horatio von einem Selbstmord berichtet oder Ophelia sich lauthals gegen die Annäherungen des eigenen Vaters wehrt.
Nie entsteht dabei der Eindruck von Betroffenheitstheater. Das ist, neben der neben der ironisch-poppigen Aufmachung, die eigentliche Stärke der Inszenierung: Sie zeigt, was Theater alles sein kann und macht damit völlig neue Bedeutungsräume auf. Denn, so Ophelia: "Wahnsinn ist, wenn der Sinn verloren geht, während ein neuer entsteht."
(Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 15. Mai 2008)
NDR-Fernsehen am 28.02.2008
"Ihr Weg zum normalen Leben ist Theater...Ihre Inszenierung im Alten Magazin ist einzigartig...
Nicht leicht ist der Stoff, denn es geht um schwierige Beziehungen, eifersüchtige Liebhaberinnen und streitwillige Familienmitglieder...Verwerfung jeglicher Art. Das bekannte "Hamlet"- Zitat "Sein oder Nicht Sein" ist jedoch für diese Gruppe inzwischen nicht mehr die Frage - Dank der neu gewonnenen Lebensernergie."
Hamlet Premiere
"An Professionalität hat es nicht gefehlt... Eine Wonne ist Gisela Ruscheweyh als Geist von Hamlets Vater... Hamlet hat Sehstörungen und erzählt von einem Hund mit Darmverschlingungen... Wem Shakespeares Hamlet zu düster ist, der hat hier seinen Spaß. Um den Wahnsinn Hamlets zu unterstreichen, spielt die hArt times-Band Songs von Nirvana. Cool." Neue Presse, 1.3.2008
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"Knoten" nach Ronald D. Laing (Premiere 16.10.2005)
hauskritik #2
(von Nicola Bongard, Stadtkind märz 2006)
knoten von ronald d. laing
"... eigenartig emotionsloses Rezitationsstück mit einem kühlen Stilisierungsgrad, aber auch mit einigen spannenden Sollbruchstellen...
Die Akteure absolvieren eine Unmenge Text und beeindrucken auf etwas zwiespältige Weise durch ein fabelhaftes Gedächtnis, nicht nur für den Text, sondern auch für die vielen kleinen Verabredungen, welche die Inszenierung ihnen auferlegt.
Wie sich fortwährend die Person vor die Figur schiebt und gerade dadurch die Rolle bereichert, ist derReiz des semiprofessionellen Schauspiels.
Ornowski und Matzke haben weniger Sinn für Anarchie und emotionales Drama, dafür Sinn für Ästhetik und Machbarkeit bewiesen. Außerdem muss man sie einfach loben für den Mut, jenseits einer allzu pädagogischen Herangehensweise auch mit Laien eine puristische und klar umrissene Inszenierung zu wagen, die weit über die Aneinanderreihung von Szenen und "sketchen" hinaus geht.
..., so bleibt doch am Ende der Eindruck, etwas Besonderes erlebt zu haben."
Alltäglicher Stellungskrieg
Verrücktes Spiel: Das Psychiatrie-Theater hArt Times im Alten Magazin in Hannover
von Ernst Corinth
Das muss man dem Theater hArt Times lassen: In seinem Stück „Knoten“ geht es zwar um existenzielle Dinge, ja um Abgründe unseres menschliches Seins – aber dennoch haben alle Akteure und auch die Zuschauer im ausverkauften hannoverschen Alten Magazin Spaß an diesem im positiven Sinne verrückten Spiel. ... Darin dreht sich alles um Erlebnisse, die nicht nur den Akteuren wohl bekannt sind und sie bei manchen psychische Erkrankungen hervorrufen.
Frei nach dem Werk „Knoten“ des britischen Psychiaters und Mitbegründers der antipsychiatrischen Bewegung Ronald D. Laing werden die – wie es bei ihm heißt – „lautlosen Dialoge“, die unsere Beziehungen zu anderen prägen, hier zum Sprechen gebracht. ...
Da macht ein Sohn seinem Vater schwerste Vorwürfe, ein anderer fühlt sich gar von seiner Mutter verschlungen, ein Ehemann haut seiner Frau den Satz um die Ohren: „Du bist genau wie meine Mutter“ Und auch nicht schön, doch schön verletzend ist die Feststellung: „Ich bin gut, du liebst mich nicht, daher bist du schlecht, also lieb ich dich nicht. Ja, du bist ein Schmerz in meinem Kopf.“
Das tut weh – ist aber Ausdruck von Angst, Verachtung, Hass, Langeweile und auch Eifersucht, die viele Beziehungen zerstören. Genau dieser Ausdruck, diese Haltung bekommt im Spiel der Gruppe ein Gesicht, mal ein verspielt rhythmisches, dann ein musikalisches, tragisches und manchmal sogar ein witziges. Die Bilder, die dabei entstehen, sind irritirend, erzählen aber stets viel vom Lebensgefühl dieser Gruppe. Am Schluss zu Recht viel Beifall.
HAZ (17.10.05), Nr.242, S.7
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"Artaud - es ist hArt und schwer mich zu lieben" (Premiere Februar 2003)
Das sich Drehen um die eigene Achse
VON CHRISTOPH B. STRÖHLE
REUTLINGEN. Die Welt steht Kopf im Universum des Antonin Artaud (1896-1948), in dem das so genannte Verrückte keine Abweichung von der Regel ist, sondern unvermeidliche Folge der Zivilisation. Das Theater hART Times aus Hannover hat das Dilemma auf die Bühne gebracht. Am Freitag gastierte es im Rahmen des Festivals Kultur vom Rande mit »Es ist hart und schwer mich zu lieben« im Foyer U3.
Mit den Mitteln der Montage szenischer, musikalischer und sprachlicher Elemente sowie mit Formen des Puppen- und Maskenspiels nähern sich die Darsteller dem, was Artaud für den Zweck von Theater hält: Es soll das Verborgene und Unergründliche im Menschen zutage fördern. Die Sprache, so befand der Schauspieler, Dichter und Regisseur, der neun Jahre seines Lebens in psychiatrischen Kliniken verbrachte, sei dazu nur bedingt im Stande, weshalb sich Artaud für eine Spielweise aussprach, die die körperliche Präsenz gegenüber dem gesprochenen Wort betont. ...
Köpfe auf langen Stangen
Es sind vor allem kraftvolle Bilder, die sich ins Gedächtnis graben. Bilder, die kunstvoll arrangiert und authentisch wirken: Da ist zum einen die Frau, die sich wieder und wieder um die eigene Achse dreht, dabei eine Hand in die Höhe streckt und sagt: »Sie ist fort. Seit zehn Jahren ist die Sprache fort.« Da ist der Mann, der, unentwegt andere anrempelnd, »Platz, Platz, Platz« ruft. Da sind die Pappköpfe, die, aufgespießt auf lange Stangen, den Kontakt zu ihren Körpern, die weiter umherwandeln, verloren haben. Da ist Artaud, der von seinem Nervenarzt Laudanum verlangt, statt dessen aber Elektroschocks erhält.
»Es gibt kein Firmament mehr« heißt es in Artauds Fragment gebliebenem Libretto zu einer Straßenoper von Edgar Varèse, die nie zustande kam. Eine kosmische Katastrophe - das Herabstürzen ... hART Times lässt das Ganze, herrlich schräg, in einem fröhlichen Rap enden und inszeniert den Weltuntergang - die Parallele zu Charlie Chaplins »Der große Diktator« ist unverkennbar - als platzenden Luftballon.
Bilderreichtum und Spielfreude dieser rundum gelungenen Inszenierung (Regie: Frank Matzke und Nina Ornowski) machen immer wieder vergessen, dass es sich bei den Darstellern um Laien handelt. ...
Applaus gab es am Ende reichlich - von Herzen und ohne Sozial-Bonus. Den hat das ungewöhnliche Theaterprojekt auch gar nicht nötig. (GEA)